Signatur Kornberger
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BIOGRAFIE


Textbilder - Biografie Portrait KornbergerImmer wieder hört man aus dem Mund ehemaliger Kolleginnen und Kollegen, die mit Alfred Kornberger die Akademie besuchten, folgende Worte: »Der Kornberger hätte das Zeug zu einer internationalen Malerkarriere gehabt!« Hier erfährt man einerseits von einer neidlosen Anerkennung seines Talents, das ihn schon früh von den übrigen Künstlerkollegen auszeichnete. Andererseits schwingt aber auch die Feststellung mit, dass Kornberger es dann aber doch nicht geschafft habe, aus seinem Talent etwas zu machen. Tatsächlich zählt Alfred Kornberger bis heute zu denjenigen Künstlern, denen zu Lebzeiten keine größere Ausstellung in einem Museum gegönnt war und die wenig im Blickpunkt der Kunstwelt standen. Die einzig größere Publikation, die über sein Werk bisher erschienen ist, hat der Künstler selber zusammengestellt und finanziert. Dabei hat Kornberger während seines Lebens eine unglaubliche Fülle an Gemälden geschaffen. Er hat buchstäblich Tag und Nacht in seinem großen Atelier in Wien-Währing gearbeitet. Doch wurde die ungeheure Fülle seiner Bilder und die atemberaubende Qualität seiner Arbeiten zu Lebzeiten des Künstlers wenig beachtet. Kornberger zählt in der Tat zu den versteckten Talenten, zu den Geheimtipps unter Kennern, die es in der vielfältigen Kunstlandschaft Österreichs nach 1945 nach wie vor noch zu entdecken gibt.

»Ich habe versucht, meinem Leben einen Sinn zu geben. Ich habe versucht, das zu machen, was man Kunst nennt.«
Alfred Kornberger am 30. September 1996

 

Alfred Kornberger - Der Akt als Innovation

Alfred Kornberger wird 1933 in Wien geboren. Seine Kunst reiht sich ein in die österreichische Tradition der Körperdarstellung, die von Egon Schiele bis Alfred Hrdlicka reicht. Ab etwa 1970 gilt Kornbergers ganze Aufmerksamkeit dem weiblichen Akt. Sein Maleratelier in Wien-Währing ist stets bevölkert von Aktmodellen, die dem Maler, aber auch einer Vielzahl von Schülerinnen und Schülern, Modell stehen. Das Atelier ist Kornbergers Lebensmittelpunkt, vergleichbar mit der Rolle, die das Atelier etwa für den englischen Maler Francis Bacon spielte. Kornbergers Atelier ist aber auch Ort geselliger Künstlerfeste, wo sich neben Malerkollegen regelmäßig auch Literaten und Musiker treffen. Seine stilistische Orientierung sucht Alfred Kornberger in jungen Jahren in der École de Paris, besonders bei Braque und Picasso. Die frühen Bilder von Kornberger setzen sich intensiv mit Kubismus und Surrealismus auseinander, welche der junge Wiener an Hand von figürlichen Szenen effektvoll variiert. Daneben beschäftigt sich Kornberger mit Themen des technischen Fortschritts, etwa mit seinem Zyklus über Maschinendarstellungen.

Ab den späten 1960-er Jahren wendet sich Alfred Kornberger einer Thematik zu, die ihn fortan nicht mehr loslassen sollte, nämlich dem weiblichen Akt. Kornbergers Aktdarstellungen finden ihre Parallele in der Gruppe der so genannten Naturalisten, die entgegen den internationalen Tendenzen in den 1960-er und 70-er Jahren das gegenständliche Frauenbild pflegen. Zu ihnen zählt der Bildhauer Alfred Hrdlicka, weiters auch die Maler Fritz Martinz und Hans Eisler. In einem weiteren Sinn ist auch Alfred Frohner zu diesem Kreis zu zählen. Sowohl die eindrucksvollsten Atelierbilder von Eisler als auch Frohners Ästhetik von fragmentierten weiblichen Torsi finden im Werk von Kornberger ihren Niederschlag. Kornbergers späte Werke aus den 1990-er Jahren drängen zu einer betont malerischen, vielfarbigen Gestaltung, welche Elemente des Expressionismus genauso verarbeitet, wie Einflüsse der Malerei der so genannten Fauves (französisch für »wildes Tier«), auch bekannt als die Neuen Wilden.

Wie bei kaum einem anderen seiner Zeitgenossen ist das reife Werk von Alfred Kornberger vom Motiv des Frauenkörpers dominiert. Die geradezu obsessive Beschäftigung mit dieser Thematik erinnert an den großen österreichischen Maler und Grafiker Egon Schiele. Ähnlich wie Schiele variiert auch Kornberger den weiblichen Akt aus dem Blickwinkel des männlichen Blicks. Stets spielt die Erotik des Begehrens, der Blick des Voyeurs, eine zentrale Rolle. Kornberger präsentiert die Frau in kühnen, ekstatischen Verrenkungen und in sinnlicher Ausgelassenheit. An den Folgen seiner zunehmenden Alkoholabhängigkeit stirbt Alfred Kornberger viel zu früh im Alter von 69 Jahren.

 

 

KURZBIOGRAFIE

1933
Alfred Kornberger wird am 3. Juli in Wien geboren. Er entstammt dem kleinbürgerlichen, vorstädtischen Wiener Arbeitermilieu.

1947 - 51
Lehrjahre: Ausbildung zum Lithografen in einer Wiener Großdruckerei. Danach ist Kornberger ein Jahr als Lithograf tätig.
Aufgrund der beschränkten finanziellen Verhältnisse der Familie wird vorerst ein solider Lehrberuf ergriffen; obgleich Kornbergers früh entdeckten künstlerischen Talents ist vorerst nicht an eine universitäre Ausbildung an der Kunstakademie zu denken.

1949
Kornberger belegt während seiner Lehrzeit zum Lithografen Abendkurse für Malerei und Anatomie an der Künstlerischen Volkshochschule, Wien (Leitung: Gerda Matejka-Felden). Bereits 1951 kommt es zu Kornbergers erster Gruppenausstellung mit den Studenten der Volkshochschule (u.a. mit Otto Mühl) im Messepalast Wien.

1952 - 56
Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste, Wien (Meisterklasse Robin Christian Andersen). Kornbergers Ausbildung bei Andersen basiert auf der gegenständlichen Zeichnung (Zeichnen von Stillleben und Akten in Kohle und später Gouache).
Kornberger finanziert sein Studium zu Beginn durch Gelegenheitsjobs, später auch durch diverse Stipendien, u.a. vom Unterrichtsministerium, der Arbeiterkammer und der Stadt Wien.
Kornberger schließt sein Studium 1956 ab und erhält die Goldene Füger-Medaille der Akademie als besondere Auszeichnung.

ab 1953
Reisen nach Deutschland, Holland, Schweden, Dänemark, Südfrankreich und in andere europäische Länder.

1956
Reise nach Holland; Aufenthalte in Amsterdam und Hamburg.

1957 - 58
Kornberger erhält ein UNESCO-Stipendium für einen einjährigen Studienaufenthalt in Bangkok, Thailand (damaliges Siam). Es entstehen zahlreiche Arbeiten, darunter ein Zyklus über Siam.

1958 - 70
Kornberger bezieht ein Wohnatelier in der Währingerstraße 91, im 18. Wiener Gemeidebezirk.

ab 1958 - ca. 75
Tätigkeit als Werbegrafiker für verschiedene Firmen neben seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler. Hauptauftraggeber sind neben einer Zahl von Wiener Großbetrieben die Stahlfirma Simmering-Graz-Pauker-AG, die Baufirma Rigips-Ges.m.H. und die skandinavische Flugfirma SAS.

Textbilder -

1960
Alfred Kornberger heiratet Nevenka Vavra.

1960 - 61
Es entstehen zahlreiche Arbeiten im kubistischen und surrealistischen Stil.

1960-70
Kornberger erhält eine Reihe von Aufträgen für Kunst am Bau. Es entstehen monumentale Glasmosaike
und Sgraffiti in ungewohnten Dimensionen und Formaten, u.a. in Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden
in Wien und Niederösterreich.

1966 - 68
Kornberger widmet sich verstärkt dem Motiv der Maschine in Bewegung (einfache Maschinenkonstruktionen,
Zahnräder, Drehscheiben, Kurbeln, Gestänge, ...).

1969-70
Durch einen Auftrag der Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft zur Darstellung ihrer Betriebe entstehen
zahlreiche Industriebilder in Aquarell. Kornbergers Beitrag in der Studentenzeitschrift der Montanistischen
Hochschule Leoben, »Die Industrie - Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung« gilt als besonders wichtige und seltene Quelle für Kornbergers persönliche Aussagen zu seiner künstlerischen Tätigkeit.


ab 1970
Kornberger entzieht sich zunehmend dem konventionellen Galerien- und Ausstellungsbetrieb, kleinere Galerien
am Land und unkonventionellere Ausstellungslokalitäten und -situationen in Fleischereien, Konditoreien und
Bankfilialen überwiegen als Ausstellungsorte. Gleichzeitig kommt es zu einer enormen Aktivität Kornbergers
in seinem Atelier und zu einer verstärkten Hinwendung Kornbergers zum weiblichen Akt.

1971
Geburt des Sohnes Christian und Übersiedelung der Familie in die Währingerstraße 162, 1180 Wien; das bisherige
Wohnatelier dient von nun an ausschließlich als Atelier.
Kornberger vertieft sich in die Arbeit mit professionellen Aktmodellen und setzt sich intensiv mit dem weiblichen
Akt auseinander. Es treten vermehrt Figuren mit ondulierenden, wellenartigen Umrissen in Kornbergers Arbeiten auf.

1974 - 76
Bilder mit Badeszenen am Strand sind ein häufig behandeltes Thema im Œuvre Kornbergers.

1975
Durch regelmäßige Besuche Kornbergers und seiner Familie von Verwandten im Waldviertel kommt es zur Thematisierung der Waldviertler Landschaften in seinen Arbeiten. Zusätzlich entstehen auch Reiseaquarelle von Krk, Kroatien.

1976
Aktdarstellungen mit Motiven aus dem Turnsaal und weiblichen Akten im Lehnstuhl treten in Form von Zeichnungen auf. Zwischen 1976 und 77 entstehen Buntstiftzeichnungen mit sich ausziehenden Frauen und Motiven aus der Fleischerei. Seit 1976 beschäftigt sich Kornberger mit dem künstlerischen Film.

1977
Kornberger überschreitet das Medium Bild und schafft in einem Zyklus mit transportablen Aktfiguren, den so genannten »Schablonenakten«, die in der Galerie am Bauernhof in Anzing gezeigt werden, eine Synthese von Bild und Skulptur. Der erste von mehreren »Zeus-Zyklen« entsteht. Zeus, der oberste der olympischen Götter und bekannt für zahlreiche Liebesabenteuer, übernimmt in einer Serie von Arbeiten die Gestalt eines Fahrrads und wird zum Angreifer der Frau.

1979
Kornberger wird Mitglied der »Vereinigung bildender Künstler Wiens« - eine Mitgliedschaft des
Wiener Künstlerhauses, die ihm weitere Ausstellungsmöglichkeiten eröffnet.

1980
Alfred Kornberger veranstaltet öffentliche Mal- und Zeichenkurse für Anfänger und Fortgeschrittene.

ab 1982
Es treten häufig Motive aus dem Atelier des Künstlers auf.

1983
Es folgt ein zweiter Zyklus zu »Zeus bedrängt eine Frau«.

1985
Verleihung des Berufstitels »Professor«. Die zweite Hälfte der 1980-er Jahre ist geprägt von einer ungewöhnlich intensiven Ausstellungstätigkeit Kornbergers.

1986
Textbilder - Biografie Moulin RougeDer Zyklus »Moulin Rouge« zeigt die Inspiration durch Körper und Bewegung, die sich Kornberger im Wiener Nachtleben, im Kabarett bei Tänzerinnen und Stripperinnen holt. Kornberger ist stets offen für außergewöhnliche Ausstellungssituationen. In einer Ausstellung im Währinger Park, die er anlässlich der Angelobung von Soldaten in einem Zelt des Bundesheeres veranstaltet, richtet sich Kornberger mit dem Zyklus »Gedanken gegen die Macht« deutlich gegen den Krieg und jede Form der Gewalt.
Im »Venedig-Zyklus« zeigt Kornberger topografische Ansichten von Venedig nach einem Urlaubsaufenthalt in der Stadt.

1987
Insekten und Spinnen treten als Motive auf.

1989
Der Zyklus »Affe und Frau« entsteht. Laut Kornbergers eigenen Aussagen handelt es sich hierbei thematisch um eine Umkehrung des erotischen »Zeus-Zyklus«, indem nun die Frau zum aktiven Part wird.

1990
Der Zyklus »Neid und Haß« nach der Apokalypse des Johannes besteht aus 10 Ölgemälden. Kornberger setzt sich seit 1960 immer wieder mit dem Thema der Apokalypse auseinander. Kornberger leidet im letzten Jahrzehnt seines Lebens an einer schweren Krankheit.

1991
Kornbergers erste Monografie »Alfred Kornberger. Bilder und Graphiken aus den Jahren 1974 - 1990« erscheint im Eigenverlag des Künstlers.

ab 1995
Kornberger setzt sich in seinen Werken mit Motiven von irren Gestalten auseinander.

ab 1996
Motive aus dem Schlachthof treten verstärkt auf.

2001
Krankheitsbedingt stellt Alfred Kornberger die Produktion seiner Ölbilder ein. Kornberger widmet sich fortan Lithografien von früheren Zeichnungen, welche er großteils aquarelliert oder mit Filzstiften übermalt.

2002
Alfred Kornberger verstirbt 69-jährig am 31.März in Wien. Am Totenbett gestikuliert der Künstler vor seinem geistigen Auge sein letztes Bild.

 

aus Franz Smola, »Alfred Kornberger (1933-2002). Der Akt als Innovation«, Wien 2007.